Sehr geehrte Gäste unserer Gemeinde,  liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

 
auf der offiziellen Homepage der Gemeinde Burgkirchen a.d.Alz heiße ich Sie herzlich willkommen. Mit unserem Internet-Auftritt möchten wir Sie einerseits umfassend über unsere lebenswerte Gemeinde informieren, und andererseits Ihr Interesse an mehr wecken.

Nitratwert

Auszug aus einer Veröffentlichung des Bayerischen Landeamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

[... Nitrat gehört wie Ammonium und Nitrit zu den Stickstoffverbindungen des natürlichen Stickstoffkreislaufs. Es ist sehr gut im Wasser löslich und verteilt sich dort sehr schnell. Durch den biogenen Abbau von Stickstoffverbindungen kommt es zu einer Nitrat-Grundbelastung in Grund- und Oberflächenwässern und damit auch im Trinkwasser. Gehalte von etwa 25 Milligramm Nitrat pro Liter können in diesen Wässern noch als natürlich angesehen werden. In vielen Fällen sind aber Grund- und damit auch Trinkwässer wesentlich stärker mit Nitrat belastet, weil zusätzlich Nitrat aus anthropogenen Kontaminationsquellen, wie häuslichen Abwassereinleitungen und landwirtschaftlichen Einträgen ins Wasser gelangen. Bei erhöhten Nitratgehalten im Trinkwasser sind fast immer landwirtschaftlich genutzte Flächen mit intensiver Düngung im Einzugsgebiet der Wassergewinnungsanlage vorhanden. Besonders belastet sind oberflächennahe Grundwässer, die zur Trinkwassergewinnung genutzt werden. Wässer aus tieferen Grundwasserstockwerken enthalten in der Regel kein Nitrat. In sauerstoffarmen bzw.sauerstofffreien Grundwasserleitern wird Nitrat zu Ammonium reduziert, in sauerstoffreichen bleibt es praktisch unverändert erhalten.

Eine Reduktion von erhöhten Nitratgehalten in Trinkwässern zentraler Wasserversorgungsanlagen kann großtechnisch durch Aufbereitungsverfahren wie katalytische Nitratreduktion oder biologische Denitrifikation erzielt werden. Eine Verminderung erhöhter Nitratgehalte bei Kleinanlagen erfolgt meist durch Ionenaustauscher- oder Umkehrosmoseanlagen. Im häuslichen Bereich verwendete Geräte zur Nitratentfernung müssen regelmäßig gewartet werden, damit sie dauerhaft funktionieren und nicht verkeimen.

Nitratreiche Salate und Gemüse wie Rucola, Kopf- und Feldsalat, Spinat, Rote Rüben sowie gepökelte Fleischerzeugnisse können deutlich zur Nitrat-Gesamtbelastung beitragen.

Auswirkungen auf die Gesundheit

Die Trinkwasserverordnung 2001 legt für Nitrat einen Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter fest. Vom Nitrat (NO3-) selbst geht nur eine sehr geringe unmittelbare Gesundheitsgefährdung für den erwachsenen Menschen aus. Unter bestimmten Umständen (z. B. durch Bakterien im Mundraum oder Magen) kann Nitrat jedoch teilweise zu Nitrit (NO2-) umgewandelt werden, welches auf zwei Arten die menschliche Gesundheit gefährden kann:

  • Zum einen kann es insbesondere bei Säuglingen unter 3 Monaten eine "Methämoglobinämie" durch eine erhöhte Konzentration von Methämoglobin im Blut auslösen. Nitrit bewirkt dabei, dass der rote Blutfarbstoff, das Hämoglobin, zum Methämoglobin umgewandelt wird. Methämoglobin ist im Gegensatz zum Hämoglobin nicht mehr in der Lage, Sauerstoff in die Gewebe zu transportieren. Daher kann sich eine Blausucht (Zyanose) entwickeln. Der resultierende Sauerstoffmangel in lebenswichtigen Organen wie dem Zentralnervensystem und dem Herz kann bei entsprechender Ausprägung bis zum Tod führen.
  • Zum anderen kann Nitrit mit sekundären Aminen im Magen sogenannte "Nitrosamine" bilden. Sekundäre Amine sind stickstoffhaltige chemische Verbindungen, die in vielen Lebensmitteln vorkommen und auch bei der Verdauung entstehen. Einige Nitrosamine wirken im Tierversuch krebserzeugend. Ihre Entstehung sollte daher so weit wie möglich vermieden werden.

Der Grenzwert der Trinkwasserverordnung 2001 für Nitrat wurde vom Gesetzgeber so festgelegt, dass bei Aufnahme des Wassers in üblichen Mengen weder die Gefahr einer Methämoglobinämie bei Säuglingen noch eine endogene Bildung von Nitrosaminen in gesundheitlich erheblichem Ausmaß stattfindet. Bei Einhaltung des Grenzwerts ist somit für alle Verbraucher, auch für die besonders empfindlich reagierenden Säuglinge, gewährleistet, dass bei regelmäßigem, täglichen Verzehr des Trinkwassers keine gesundheitsschädlichen Auswirkungen hervorgerufen werden.

Wird der Grenzwert überschritten, darf die zentrale Wasserversorgung nur dann weiter geführt werden, wenn die Bevölkerung durch das örtliche Gesundheitsamt unverzüglich darüber informiert wird, dass dieses Wasser nicht zur Zubereitung von Nahrung für ungestillte und teilgestillte Säuglinge mit weniger als 10 kg Köpergewicht verwendet werden darf. Stattdessen ist ein einwandfreies Trinkwasser anderer Herkunft oder – nach Rücksprache mit einem Kinderarzt – ein nitratarmes, zur Säuglingsernährung geeignetes Mineralwasser (Kennzeichnung auf dem Etikett beachten!) zu verwenden.

Im Gegensatz zu Säuglingen ist es für Erwachsene unproblematisch, während eines begrenzten und gemäß Trinkwasserverordnung 2001 zuzulassenden Zeitraumes auch ein Trinkwasser mit einem Nitratgehalt über dem Grenzwert von 50 mg/l aufzunehmen. Nach einer Empfehlung des Umweltbundesamtes kann in einem solchen Fall ein Nitratgehalt bis zu 130 mg/l zeitlich befristet toleriert werden. Allerdings sollten dann nur nitratarme Lebensmittel verzehrt werden. Außerdem muss auf eine ausreichende Jod-Zufuhr geachtet werden. Eine ausreichende Jod-Zufuhr ist wichtig, weil bei hoher Nitratbelastung ein Jodmangel in der Schilddrüse auftreten kann, worauf diese mit einer Vergrößerung (Ausbildung eines Kropfes, Struma) reagiert.

Das örtliche Gesundheitsamt kann für maximal drei Jahre eine Grenzwertüberschreitung zulassen. Das betroffene Wasserversorgungsunternehmen muss gleichzeitig ein Sanierungskonzept vorlegen, d. h. es muss Maßnahmen nennen, durch die der Nitratgehalt des an die Verbraucher abgegebenen Wassers so gesenkt wird, dass der Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter nicht mehr überschritten wird. Eine zweite Ausnahmegenehmigung darf dann nur noch mit Zustimmung des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) und Unterrichtung des Bundesministeriums für Gesundheit ausgesprochen werden. Auch diese ist auf maximal drei Jahre begrenzt. ...]

Link zum Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Kein PFAS / PFOA im Trinkwasser!

Das Trinkwasser der Gemeinde Burgkirchen kommt seit dem 14. Nov. 2016 ausschließlich aus dem Brunnen Raitenhaslach. Das Wasser aus diesen drei Quellbrunnen in Raitenhaslach ist frei von PFOA und PFOS.  Das gleiche gilt für die Quellen im Ortsteil Hirten. Auch hier sind die Tucher und Wegerer Quelle nicht mit PFOA und PFOS belastet. Die Gemeinde Burgkirchen a.d. Alz hat aber schon vor  10 Jahren, nach bekannt werden der ersten Messergebnisse,  ihre Wasserförderung so umgestellt, dass rund 2/3 ihres Trinkwassers von den Brunnen Raitenhaslach und 1/3 vom Brunnen Forst Kastl gewonnen wurde. Die Belastung des Trinkwassers mit PFOA  wurde dadurch vor 10 Jahren schon vermindert und ist seit der Abschaltung des belasteten Brunnens Forst Kastl, also seit dem 14.10.2016, in den Netzproben nicht mehr nachweisbar und somit unbelastet. Das heißt für unsere Bürger, dass unser naturbelassenes, unbehandeltes Trinkwasser bedenkenlos getrunken und verwendet werden kann.

Auszug aus einer Veröffentlichung des Bayerischen Landeamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

[… Für die gesundheitliche Bewertung von PFAS-Messwerten hat die Trinkwasserkommission des Bundesministeriums für Gesundheit beim Umweltbundesamt im Jahr 2006 eine Stellungnahme veröffentlicht (vom 21. Juni 2006, überarbeitet am 13. Juli 2006), die mehrfach erweitert und aktualisiert wurde. Auf Grund einer Neubewertung verschiedener Studien zu per- und polyfluorierten Substanzen (PFAS) hat das Umweltbundesamt nach Anhörung der Trinkwasserkommission am 20.09.2016 eine ausführliche Empfehlung zu verschiedenen PFAS, u. a. auch PFOA und PFOS, veröffentlicht. Darin wird der für Trinkwasser im Jahr 2006 abgeleitete lebenslang gesundheitlich duldbare Leitwert in Höhe von 0,3 µg/l der Summe aus PFOA und PFOS auf jeweils 0,1 µg/l für die Einzelsubstanzen PFOA und PFOS abgesenkt.

Vor dem Hintergrund der Absenkung des Leitwerts wurde im Jahr 2016 das Monitoring des Gesundheitsamtes Altötting auf zwei Probennahmedurchgänge pro Jahr erweitert und auf Wasserversorgungen im weiteren Umfeld des Industrieparks Gendorf ausgedehnt. Das Gesundheitsamt Altötting entnimmt seit dem Jahr 2007 im Rahmen seines Monitorings mindestens jährlich Trinkwasserproben. Die Analyse der Roh-und Trinkwasserproben auf PFAS erfolgte am LGL.

Als Reaktion auf die neue Bewertung des lebenslang gesundheitlich duldbaren Leitwerts haben mehrere Wasserversorger im Landkreis Altötting im Herbst 2016 Umstellungen vorgenommen mit dem Ziel, kurzfristig die Gehalte an PFOA in dem von ihnen bereitgestellten Trinkwasser zu reduzieren. …]

[... Weiterhin niedrig sind die PFAS-Gehalte im aufbereiteten Trinkwasser des Wasserzweckverbands Inn-Salzach, der seit November 2009 eine Aktivkohle-Filteranlage betreibt, mit der die Gehalte des geförderten Rohwassers an perfluorierten Substanzen im Trinkwasser dauerhaft gesenkt werden. Abhängig sind die gemessenen Gehalte von der Nutzungsdauer des Filtermaterials bei der Probennahme.

Auch in den Proben aus Gendorf, Emmerting sowie den Wasserversorgungen Burgkirchen und Neuötting konnte das LGL seit den Umstellungen im Jahr 2016 nur noch Spurengehalte unter der analytischen Bestimmungsgrenze bzw. überhaupt keine PFASmehr nachweisen. Erreicht wurde dies, indem etliche belastete Brunnen nicht mehr genutzt werden. Das Trinkwasser muss dafür aus anderen Brunnen (Wasserversorgung Burgkirchen: Brunnen Raitenhaslach; Wasserversorgung Altötting/Neuötting/Winhöring: Tiefbrunnen Altötting) bezogen werden. Rückstände der ursprünglichen PFAS-Belastung werden noch im Wasser aus dem Hochbehälter Eschelberg nachgewiesen, die aber offensichtlich kaum in den Versorgungsgebieten ankommen. Es ist mit einem Rückgang dieser Gehalte auch im Hochbehälter in Zukunft zu rechnen. ...]

 

Link zur Veröffentlichung des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit


UNTERSUCHUNG DES TRINKWASSERS AUF PER- ODER POLYFLUORIERTE ALKYLSUBSTANZEN (PFAS)

Mit Schreiben vom 25.09.2019 teilte das Landratsamt mit, dass die am 03.06.2019 entnommenen Proben hinsichtlich einer möglichen Kontamination mit per- oder polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS) untersucht wurden.
 
Die in den Trinkwasserproben festgestellten Gehalte für PFOA liegen bei < 0,001μg/l und somit unter den in der Empfehlung nach derzeitigem Wissenstand toxikologisch abgeleiteten Leitwerten für die nachgewiesenen PFAS.
 
In der Rohwasserprobe des Brunnens III wurde ein Gehalt von 0,46 μg/l für PFOA gemessen. Bezüglich der gesundheitlichen Bewertung der in der vorliegenden Rohwasserprobe festgestellten Gehalte an PFAS verweisen wir auf die aktuelle Empfehlung des Umweltbundesamtes nach Anhörung der Trinkwasserkommission  am 20.09.2016 (Bundesgesundheitsblatt, 2017 und Empfehlung des Umweltbundesamtes, 2016).
 
Die in der Rohwasserprobe festgestellten Gehalte liegen über dem in der Empfehlung genannten, nach derzeitigem Wissenstand toxikologisch begründeten Leitwert für PFOA. Der Brunnen III, Öttinger Forst, speist seit 14.11.2016 nicht in das Trinkwassernetz der Gemeinde Burgkirchen ein. Die Trinkwasserversorgung wird über die Brunnen in Raitenhaslach und einer Zumischung von unbelastetem Wasser der Stadt Burghausen sichergestellt.
 
 

Anlagen:

Befundkopien des LGL Erlangen vom 04.09. und 11.09.2019:

Befund/Gutachten zu 09171114_001_00001, Schule Emmerting

Befund/Gutachten zu 09171113_043_00001, Schule Gendorf

Befund/Gutachten zu 09171113_008_00001, Hochbehälter Eschlberg

 

Auszug aus der Ergebnisübersicht

Ergebnisübersicht zu den Proben des Gesundheitsamtes Altötting (Probenahme Mai/Juni 2019)

 

Zusammenstellung der PFOA-Ergebnisse von 2006 - 2019

PFT-Ergebnisse Burgkirchen 2006 - 2019 (Stand Juni 2019)

 


UNTERSUCHUNG DES TRINKWASSERS AUF PER- ODER POLYFLUORIERTE ALKYLSUBSTANZEN (PFAS); Zentrale Wasserversorgung Hirten

Mit Schreiben vom 25.09.2019 teilte das Landratsamt mit, dass die am 05.06.2019 entnommenen Proben hinsichtlich einer möglichen Kontamination mit per- oder polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS) untersucht wurden.
 
Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) untersuchte die Proben, entnommen aus der ZWV Hirten an der Wegerer Quelle, am Zwischenbehälter Mark und im Kindergarten Hirten hinsichtlich einer möglichen Kontamination mit per- oder polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS). In der Wegerer Quelle und im Kindergarten Hirten wies das LGL im Rahmen des Messumfangs der Methode keine PFAS nach.
 
Die Messung der Trinkwasserprobe, entnommen am Zwischenbehälter Mark am Zulauf der Tucher Quelle ergab einen Gehalt von 0,005 µg/l Perfluoroctansäure (PFOA) in der Probe. Die erweiterte Messunsicherheit beträgt bei der angewendeten Methode 0,001 µg PFOA/l. Weitere PFAS wurden nicht nachgewiesen.
 
Bezüglich der gesundheitlichen Bewertung der in der vorliegenden Trinkwasserprobe festgestellten Gehalte an PFAS verweisen wir auf die aktuelle Empfehlung des Umweltbundesamtes nach Anhörung der TWK am 20.09.2016, Bundesgesundheitsbl. 60 (2017) und die Empfehlung des Umweltbundesamtes, 2016.
 
Der in der Probe festgestellte Gehalt an PFOA liegt deutlich unter dem in den Empfehlungen nach derzeitigem Wissensstand toxikologisch abgeleiteten Leit- (TWLW) bzw. gesundheitlichen Orientierungswerten (GOW) für die nachgewiesenen PFAS (TWLW PPOA 0,1 µg/l). Eine Schädigung der Gesundheit ist daher auch bei legenslangem Konsum des Wassers nicht zu erwarten.
 
Zu berücksichtigen ist jedoch auch, dass PFAS Verunreinigungen sind, die "die Beschaffenheit des Trinkwassers nachteilig beeinflussen und sie sind in ihrer Konzentration nach dem Minimierungsgebot gemäß § 6 Absatz 3 TrinkwV 2001 so niedrig zu halten, wie dies nach den Umständen des Einzelfalls auf Grundlage der allgemein anerkannten Regeln der Technik (aaRdT) möglich scheint. Das Trinkwasser soll i. S. von § 1 TrinkwV 2001 die Verbraucher uneingeschränkt genusstauglich und so rein wie möglich erreichen." (Bundesgesundheitsblatt 2017)
 
 

Anlagen:

Befundkopien des LGL Erlangen vom 11.09. und 17.09.2019:

Befund/Gutachten zu 09171113_063_00004, Kindergarten Hirten

Befund/Gutachten zu 09171113_063_00003, Zwischenbehälter Mark, Zulauf Tucher Quelle

Befund/Gutachten zu 09171113_063_00002, Wegerer Quelle

 

Auszug aus der Ergebnisübersicht

Ergebnisübersicht zu den Proben des Gesundheitsamtes Altötting (Probenahme Mai/Juni 2019)

Ausländerkinder-Pflegestätte

 

ALOIS REMMELBERGER:
 

Zwangsarbeit in der Landwirtschaft und die Errichtung der Ausländerkinder-Pflegestätte in Burgkirchen a.d.Alz in der Zeit des Nationalsozialismus 1943/45

 
 

Einrichtung von Entbindungsheimen für Ostarbeiterinnen und Polinnen  in Gendorf und Kraiburg

 

Beim Aufbau des Rüstungsbetriebes ANORGANA Gendorf im Landkreis Altötting/Oberbayern ab 1939 wurden sehr viele Arbeitskräfte benötigt. Hierzu wurden ab Ende 1939 zwangsweise „Fremdarbeiter“ aus dem besetzten Polen eingesetzt, später auch aus der Ukraine und Russland.

So waren zeitweise mehr als 2.000 Fremd- und Zwangsarbeiter im Lager Gendorf in Holzbaracken untergebracht. Das Lager, das auf Gemeindegebiet Emmerting zwischen dem eigentlichen Werk Gendorf und der Alz lag, wurde von der Deutschen Arbeitsfront (DAF) beaufsichtigt. 1)

 
FOTO 1  Barackenlager  Anorgana Gendorf um 1945 (Foto: Gemeindearchiv Burgkirchen a.d.Alz)
 

Fremd- und Zwangsarbeiterinnen, die schwanger wurden, wurden  in den ersten Kriegsjahren in ihre Heimat abgeschoben oder konnten einen Schwangerschafts-abbruch in einem Krankenhaus oder im Wohnlager des Werkes Gendorf  vornehmen lassen. Ab 1942 nahm der Mangel an Arbeitskräften zu. Die NS-Verantwortlichen entschieden schließlich 1943, die Frauen nicht mehr abzuschieben, sondern die Schwangeren in neu zu errichtende Entbindungsheime zu bringen, in denen sie die Kinder zur Welt bringen konnten, um anschließend wieder die Arbeit aufzunehmen.

So ließ die Werkleitung von ANORGANA ein solches Entbindungsheim im Wohnlager auf Emmertinger Gemeindegebiet errichten. Ab Anfang 1943 konnten dort die schwangeren Arbeiterinnen aus dem Werk Gendorf und vereinzelt aus der Landwirtschaft  im Landkreis Altötting  entbinden. 

Die Kinder, die im Juni 1944 in der Entbindungsstation im Lager waren, wurden, als die neue  Ausländerkinder-Pflegestätte Burgkirchen fertig war, sofort dorthin gebracht. 

Das Pulverwerk DSC(Deutsche Sprengchemie GmbH) wurde ab 1938 bei Kraiburg -Pürten  errichtet. 2)

Auf Anweisung der DAF und des Kreisleiters Fritz Schwägerl  musste auch für den Landkreis Mühldorf ein Entbindungsheim für schwangere Polinnen und Ostarbeiterinnen errichtet werden. Dieses Heim wurde 1943 im Holzlager der DSC Kraiburg gebaut.

Mit Inbetriebnahme der zentralen Ausländerkinder-Pflegestätte in Burgkirchen  im Sommer 1944 wurden die Kinder dort hingebracht und die schwangeren Frauen mussten künftig dort entbinden.


 

 

Fritz Schwägerl

NSDAP-Kreisleiter von Mühldorf und Altötting,

 gestorben im Mai 1945 durch Selbstmord

( Foto: Stadtarchiv Mühldorf)

 

Zwangsarbeit in der Landwirtschaft

Da die arbeitsfähigen Männer auf den Bauernhöfen überwiegend im Kriegseinsatz  waren, herrschte großer Mangel an Arbeitskräften in der Landwirtschaft.

Deswegen wurde vom NS-Regime die Zwangsarbeit von jungen Männern und Frauen aus den eroberten Gebieten im Osten, insbesondere aus Polen, Ukraine  und Russland, angeordnet. 3)

Rund die Hälfte  wurde in der Rüstungsindustrie, die   andere Hälfte  in der Land-wirtschaft eingesetzt.

Für beide Landkreise Altötting und Mühldorf, die organisatorisch gemeinsam durch den NS-Kreisleiter Fritz Schwägerl verwaltet  wurden, bedeutete dies, dass ungefähr 4.000 Frauen und Männer in der Landwirtschaft im Zwangseinsatz waren.

 

 Die Errichtung der zentralen  Ausländerkinder-Pflegestätte der Landkreise Altötting und Mühldorf in Burgkirchen a.d.Alz

Da die Zahl der schwangeren Ostarbeiterinnen  in den Rüstungsbetrieben  und  insbesondere auf den vielen  Bauernhöfen in  den Landkreisen Altötting und Mühldorf ständig stieg, schickte die DAF, die für den Einsatz der Fremd- und Zwangsarbeiter verantwortlich war, immer mehr schwangere Frauen aus dem gesamten  Landkreis Altötting zur Entbindung  ins Wohn- und Barackenlager der ANORGANA Gendorf, gegen den Protest der Werksleitung!

1943 wurde  von der DAF beschlossen, für alle schwangeren Ostarbeiterinnen  und Polinnen der Landkreise Altötting und Mühldorf eine zentrale  Entbindungsstation außerhalb des Werkes ANORGANA zu errichten.

So wurde am 13. März 1944 in Abstimmung mit der Werkleitung der Beschluss gefasst, südlich der Alz  auf dem Gebiet der Gemeinde Burgkirchen a.d.Alz,  etwas nördlich der heutigen Keltenhalle, eine zentrale  „Ausländerkinder-Pflegestätte“ zu errichten.  

Die Nähe zu einem Bahnhof war für die Verantwortlichen sehr wichtig, um die Erreichbarkeit der Kinder-Pflegestätte durch die Ausländerinnen zu gewährleisten.

Ab 15. April 1944 stand die Großbaracke auf Burgkirchner  Gemeindegebiet für Entbindungen zur Verfügung.

In der Baracke mit den Maßen 80 m x 12,5 m und einer Höhe von 2,95 m waren Räume für die Verwaltung, Vorräte, Krankenstation, Geburtshilfe und Säuglinge eingerichtet.

 

Wer trug die Verantwortung  in  der Ausländerkinder-Pflegestätte?

Die Verantwortung der neuen Kinder-Pflegestätte lag vor allem bei der DAF (Kreisobmann Georg Schmid) und dem Landrat von Altötting. Die Leiter der Pflegestätte wurden vom Landrat, NSDAP-Kreisleiter Fritz Schwägerl  und Georg Schmid bestellt, ebenso die verantwortlichen Ärzte und das gesamte Pflegepersonal. Die Pflegerinnen waren grundsätzlich  Zwangsarbeiterinnen.

Das Werk ANORGANA hatte laut Verhörprotokoll vom Werkarzt Dr. Artur Hartung dort keine direkte Verantwortung!   5)

Aufforderungen von Dr. Hartung, die Missstände in der Pflegestätte abzustellen, wurden von der DAF und dem Kreisleiter kategorisch abgelehnt.

Dr. Hartung wurde  vom Landrat  und der DAF  gegen seinen Willen  zur ärztlichen Betreuung bestimmt, bis die Pflegestätte ab Oktober 1944  einen eigenen  Arzt  erhielt, der aus der Ukraine hierher  verschleppt worden war  (Dr. Michael Holowatschenko). Der Ukrainer  verantwortete bis Kriegsende zusammen mit dem Leiter  der Pflegestätte und dem DAF-Obmann die unmenschlichen Zustände, die zum  Tod von 159 Kindern führten. 6)

In einer Aktennotiz vom 14. März 1944 über eine Besprechung  im Werk Gendorf zum  Ausländerkinder-Heim wurde die Verantwortung in der Pflegestätte genau festgehalten:

„Hinsichtlich der Organisation wird von Werkleiter Dr. Wittwer festgestellt, das Heim ist nicht eine ANORGANA-Einrichtung, sondern wie der Kreisobmann Schmid bestätigt, eine Einrichtung des Kreises, die auf Anfordern der Partei und unter deren Oberleitung vom Landrat geschaffen wird.

Die Beaufsichtigung des möglichst bald zu öffnenden Heimes liegt dem Landrat ob! Er stellt auch die Heimleiter und das sonst etwa nötige Verwaltungspersonal. Im Übrigen handelt er im engeren Einvernehmen mit der Kreisgruppe der NSV (Nationalsozialistische Volkswohlfahrt) bzw. der Kreisleitung.“

 

Das Pflegepersonal jeder Einrichtung  bestand auf Anweisung von Himmler aus osteuropäischen Zwangsarbeiterinnen. So stammten in Burgkirchen  die Pflegekräfte aus Polen und der Ukraine. Der verantwortliche Arzt Dr. Michael Holowatschenko kam aus der Ukraine, eine zweite Ärztin namens Dr. Petroskaia, die von November 1944 bis Januar 1945 ebenfalls in der Pflegestätte mithelfen musste, stammte aus Russland. 7)

Während im Entbindungsheim der ANORGANA Gendorf die Mithilfe einer deutschen Hebamme Pflicht war, war dies in der Ausländerkinder-Pflegestätte nur geduldet.

 

Foto 2   Ausländerkinder-Pflegestätte  vom  18.6.1945

(Foto: Capt. M.M. Braaf , OMGUS-Akten BayHStA)

 

Weder in den Verhören durch die Amerikaner 1945/46  noch durch spätere  Untersuchungen  der Bayerischen Kriminalpolizei Mühldorf  im Jahr 1961 konnte die Schuldfrage geklärt werden.

Der Kreisleiter Schwägerl  als Hauptverantwortlicher hatte Selbstmord begangen. Der ukrainische  Arzt und die russische Ärztin waren seit Kriegsende flüchtig. Die anderen deutschen Mitverantwortlichen wurden juristisch nicht schuldig gesprochen, sie hatten nur eine moralische Mitschuld.

Die Pflegestätte wurde im Winter 1945/46 vom Verpächter des Grundstücks wegen Baufälligkeit abgerissen.

 

Wer trug die Betriebskosten der Pflegestätte?

Die Betriebskosten der zentralen Ausländerkinder-Pflegestätte mussten laut Landrat alle Kommunen der Landkreise Altötting und Mühldorf entsprechend der Anzahl ihrer Einwohner tragen. 8)

 

Über die in der Ausländerkinder-Pflegestätte verstorbenen  Kinder

Laut den amtlichen Einträgen im Sterbebuch und Geburtenbuch des Standesamtes Burgkirchen a.d.Alz  1944/45 starben von Juli 1944 bis Mai 1945  159 Kinder in der Ausländerkinder-Pflegestätte. 9)

 

 

 

 

Sowohl die Geburt als auch der Tod  eines Kindes wurde  schriftlich von der Heimleitung ans Standesamt Burgkirchen gemeldet, wo dies in den Standesamtsbüchern genau festgehalten wurde.

Von den eingetragenen  Todesursachen wurden  am häufigsten genannt:

Darmkatharr, Magenkatharr,  Rachitis,  Lungenentzündung,  Verdauungsstörungen und   Herzschwäche.

Tatsächlich verstarben die Kinder an mangelnder Pflege,  falscher Ernährung, Kälte und fehlender Hygiene.

 

 

Foto 3   Kindergrab Burgkirchen 2018

Das Grabmal wurde 1953 an der Nordwand von St. Johann angelegt

(Foto: Alois Remmelberger, Burgkirchen a.d.Alz)

Foto 4 Gedenkstätte an der Keltenhalle zur Erinnerung an die Opfer der Zwangsarbeit mit dem Mahnmal an die 159 verstorbenen Kinder

(Foto: Alois Remmelberger, Burgkirchen a.d.Alz)

 

Zusammenfassung

Die Ausländerkinder-Pflegestätte der Landkreise Altötting und Mühldorf in Burgkirchen a.d.Alz steht stellvertretend für rund 400 bis 500 solcher Pflegestätten im  Deutschen Reich  in den Jahren 1944/45.

Nach Schätzungen  sollen dort  100.000 bis 200.000 Kinder zu Tode gekommen sein.

Der Autor des Artikels hat in Zusammenarbeit mit zwei Schulklassen der Mittelschule Burgkirchen a.d.Alz im  Mai  2019 ein Mahnmal bei der Keltenhalle in unmittelbarer Nähe des Standortes der ehemaligen  Ausländerkinder-Pflegestätte  errichtet.

Auf dem Mahnmal wird die Geschichte  der  Ausländerkinder-Pflegestätte in Burgkirchen mit den Namen aller hier verstorbenen Kinder dargestellt.

Neben dem Mahnmal steht ein Gedenkstein zur Erinnerung an die Opfer der Zwangsarbeit in den Landkreisen Altötting und Mühldorf in Oberbayern. 10)

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Literatur/Quellen

1  Jungblut Peter: Tod in der Wiege. Die Geschichte des Fabrikstandortes Gendorf von 1939 bis 1945, Altötting 1989.

ebenso: Rein strategische Gesichtspunkte. Gendorf 1939 bis 1945. Eine Orts-geschichte, Berlin 2002.

2  Kesselgruber Gertraud: Die Arbeitskräfte der DSC und das Kriegsende, in: Waldkraiburg schaut zurück. Geschichte einer jungen Stadt,  Waldkraiburg 2009.

3  Wikipedia: NS-Zwangsarbeit, 31.10.2018.

4  Gemeindearchiv Burgkirchen:  Schreiben vom 6. März 1944 der NSDAP-Kreisleitung  und  Aktenvermerk vom 14. März 1944 der Werkleitung der ANORGANA Gendorf.

5   Staatsarchiv München: Spruchkammerakte Dr. Hartung  Nr. K 3751.

In  der Spruchkammer Altötting  wurde 1946 die Verantwortung von Dr. Hartung an den Verbrechen im Werk ANORGANA und in der Ausländerkinder-Pflegestätte  untersucht.

Aufgrund der  Entlastungsschreiben  und Zeugenaussagen   wurde Dr. Hartung vom Vorsitzenden am 17.12.1946 laut Artikel 12 als „Mitläufer in Gruppe III“ eingestuft.

6  Bayerisches Hauptstaatsarchiv,  OMGUS-Akten Film 123a/5 vol 1.

7  Wie Anmerkung 6, Verhörprotokolle Stippler und Ottmann.

8 Gemeindearchiv Burgkirchen, Schreiben vom 28.8.1944 des Landrates von Altötting.

9  Gemeindearchiv Burgkirchen, Standesamts-Bücher Burgkirchen a.d.Alz

10  Remmelberger Alois: Ausführlicher Bericht über die AKPS in: Oettinger Land, Jahrgang 2019, Altötting 2019  


 

Dank

 
Mein besonderer Dank gilt den Mitarbeitern im Archiv des Bistums Passau und im Stadtarchiv Mühldorf für die freundliche Unterstützung.
 

 

Anlagen

Liste aller in der Ausländerkinder-Pflegestätte Burgkirchen verstorbenen Kinder  1944 bis 1945

FTTB für Schulgebäude und Rathaus

Der Freistaat Bayern gewährt Zuwendungen zur Herstellung von Glasfaseranschlüssen für öffentliche Schulen und Rathäuser nach Maßgabe der Richtlinie zur Förderung von Glasfaseranschlüssen und WLAN für öffentlche Schulen, Plankrankenhäuser und Rathäuser (Glasfaser/WLAN-Richtlinie - GWLANR). Zweck der Förderung ist die Anbindung von öffentlichen Schulen und Rathäusern an das Internet über gigabitfähige und durchgängige Glasfaserleitungen bis in die Gebäude FTTB-Förderung). Förderfähig ist die erstmalige Herstellung eines Glasfaseranschlusses einschließlich der notwendigen Netzabschlusseinheit.

Förderverfahren

Stand der Verfahrensschritte im Förderverfahren:

Auswahlverfahren / Bekanntmachung

 

Auswahlverfahren / Bekanntmachung

Die Gemeinde Burgkirchen a.d.Alz beabsichtigt die Herstellung eines durchgängigen Glasfaseranschlusses einschließlich Netzabschlusseinheit für die Grund- und Mittelschule Burgkirchen a.d.Alz sowie für das Rathaus in Auftrag zu geben.

Unterlagen zum Auswahlverfahren:

Bekanntmachung zum Auswahlverfahren

Anlage zum Auswahlverfahren; Rathaus

Anlage zum Auswahlverfahren; Grundschule

Anlage zum Auswahlverfahren; Mittelschule

Stand: 09. Oktober 2019

ISMS - Informationssicherheitsmanagementsystem

 

IT-Grundschutz-Profil

Basis-Absicherung Kommunalverwaltung

Der Schutzbedarf von Daten und Geschäftsprozessen in einer Kommunalverwatlung ist als hoch zu bewerten. Insbesondere bei der Verarbeitung von personenbezogenen Daten. Um diese Verarbeitung abzusichern und ein dem Stand der Technik angemessenes Sicherheitsniveau zu erreichen, ist die Umsetzung zusätzlicher Anforderungen im Rahmen eines IT-Grundschutz-Profils (Basis-Absicherung Kommunalverwatlung) vorgesehen.

BSI-Bund - IT-Grundschutz-Profil / Basis-Absicherung Kommunalverwaltung (2019)

BSI-Bund - IT-Grundschutz-Profil / Umsetzungshinweise (2019)

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